ÞORSTI / THIRST

Schräges Kino + Starke Mystik

Das Filmemachen ist ein kreatives Feld, weshalb es sich von selbst versteht, dass auch diverse phantastisch und skurril anmutende Geschichten bei den 54. Internationalen Hofer Filmtagen erzählt werden. Anders als gängige Konzepte fiktiver Spielfilme, setzen diese Werke gezielt auf Fabelwesen, phantastische Elemente und gesellschaftliche Paradiesvögel, um eine neue Perspektive auf das Storytelling zu ermöglichen. Aber auch die menschliche Psyche steht hier im Fokus – ob als kreativer Kopf und Schöpfer eines Filmuniversums oder als geschundene Seele mit realitätsfernen Bewältigungsstrategien oder am menschlichen Abgrund. Starke Mystik mit ihren Geheimnissen reißt uns in diesem Jahr mit einigen schrägen Werken aus der Wirklichkeit.

Wir freuen uns darüber hinaus, einen langjährigen Freund wieder beim Home of Films willkommen zu heißen, einen Meister der kritischen Sentimentalität: Ludwig Wüst. Mit seiner Trilogie „Leaving Home / Coming Home“ widmen wir ihm und seinen eigenwilligen und skurrilen Filmen ein HoF-Homecoming-Special.

Eine Auswahl der Filme:

I BLAME SOCIETY
Regie: Gillian Wallace Horvat (USA 2020)
Eine verunsicherte Filmemacherin ahnt, dass ihre Freunde den Glauben an sie verlieren. Um sich zu beweisen, beschließt sie, ihren letzten unfertigen Film zu beenden … und den perfekten Mord zu begehen.
Mit Gillian Wallace Horvat, Keith Poulson, Chase Williamson, Alexia Rasmussen

IM NACHTLICHT
Regie: Misha L. Kreuz (Deutschland 2020)
Minthe Hellheim leidet unter Depressionen: Sie weiß nicht, woher sie stammt, wer ihre Eltern sind, ihre Kindheit hat sie in Heimen verbracht. Von immer wiederkehrenden Alpträumen gequält, schlägt sie sich mit Gelegenheitsjobs durch. Ein neuer Anfang ist in greifbarer Nähe, als sie ein Jobangebot erhält. Sie soll in ihrer Geburtsstadt eine alte Mühle restaurieren. Sie ahnt nicht, dass sie das Opfer einer Intrige ist. Plötzlich sieht sie sich im „Wolfstal“ mit der geheimen Welt der „Gestaltwandler“ konfrontiert. Auf der Suche nach ihrer wahren Identität muss sie sich ihrer Vergangenheit und dem mysteriösen Wesen stellen und beginnt schließlich ein ganz neues Leben.
Mit Diana Maria Frank, Ruby O. Fee, Ralf Drexler, David Rott

LIBRA
Regie: Thomas Fischer (Deutschland 2020)
Florian Dahlmann und der Journalist Hochstätter recherchieren, um die Existenz eines Geheimbundes zu beweisen. Die Nachforschungen erhärten bald den Verdacht, dass Florians Vater an den Machenschaften der Organisation beteiligt sein könnte.
Mit Philipp Strauss, Holger Kunkel, Klara Höfels, Hendrik Geist

MARLENE
Regie: Andreas Resch (Deutschland 2020)
Nach einer schwierigen Trennung möchte Marlene in Berlin ein neues Leben beginnen. Und tatsächlich erscheint es zunächst so als könnte sie dem Trauma entrinnen, das über ihrer zerbrochenen Beziehung liegt: Marlene findet Erfüllung in ihrem Job, sie lernt neue Freunde kennen – und sie begegnet ihrem Nachbarn von Obendrüber, Flo. Zu sehr ist Marlene mit sich und ihrem neuen Leben beschäftigt, um realisieren zu können, was Flo wirklich will. Und so verliert sie sich schließlich in einem grauenhaften Szenario zwischen Albtraum und Wirklichkeit.
Mit Thomas Clemens, Cordula Zielonka, Anne Weinknecht, Valentin Schreyer

ORDINARY CREATURES
Regie: Thomas Marschall (Österreich 2020)
„Keep your eyes on the road, your hands upon the wheel“, diesen Ratschlag von Jim Morrison hätten Martha und Alex beherzigen sollen – doch auf ihrer Fahrt durch eine idyllische Landschaft sind sie vor allem mit sich selbst beschäftigt. Erst als das reale Leben in Gestalt eines Hundes und seines grimmigen Besitzers in ihre kleine, selbstbezogene Welt einbricht, kommen die Dinge in Gang – mehr als den beiden lieb ist. Ein düsteres Roadmovie voller saftiger Überraschungen.
Mit Anna Mendelssohn, Joep van der Geest, Lynne Rey, Anat Stainberg

THE MONSTER AND THE ARTIST
Regie: Thibaut Bertrand (Frankreich 2019, Dokumentarfilm)
Man erzählt sich, dass irgendwo in den Eingeweiden des Viertels La Défense ein Monster schlummert, vergessen von allen. Es befindet sich in einem abgelegenen Raum im Untergeschoss jenes Teils des Geschäftsviertels, in dem der Finanzdistrikt angesiedelt ist. Diese gigantische Kreatur soll das Meisterwerk des aus dem französischen Nizza stammenden Künstlers Raymond Moretti sein. Man sagt, der Maler habe diesem Kunstwerk alles geopfert. Dieser Dokumentarfilm befasst sich mit der Geschichte eines Künstlers und seinem sakralen Werk.

THIRST
Regie: Steinþór Hróar Steinþórsson, Gaukur Úlfarsson (Island 2019)
Im Mittelpunkt des Films steht Hulda, die verdächtigt wird, für den Tod ihres Bruders Steindi verantwortlich zu sein und sich in Polizeigewahrsam befindet. Nach der Entlassung aus der Haft wegen unzureichender Beweise weiß sie nicht, wohin sie soll. Sie harrt in der Kälte aus, bis sie sieht, wie in einer Gasse ein älterer Mann von zwei Kerlen verprügelt wird. Sie kommt ihm zu Hilfe. Der Mann entpuppt sich als Hjörtur, ein tausend Jahre alter, alleinstehender, homosexueller Vampir. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft und zum Dank für Huldas Hilfe, holt Hjörtur ihren Bruder ins Leben zurück – allerdings mit schrecklichen Konsequenzen.
Mit Hjörtur Sævar Steinason, Jens Jensson, Hulda Lind Kristinsdóttir

ZEIT DER MONSTER
Regie: Tor Iben (Deutschland 2020)
Für Amanda von Hohenstüt scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Seit vielen Jahren betreibt die Dragqueen das „Why not?“, eine Szene Bar im Saarland. Eines Tages erscheint Justine de Brest in der Stadt. Zwischen ihr und Amanda beginnt ein erbitterter Konkurrenzkampf. Immer tiefer wird Amanda in die politischen Wirren unserer Zeit hineingezogen.
Mit Wolfgang Reeb, Nina Queer, Fu Ciang Yang, Sascha Weingarten

Ludwig Wüst Special

3.30 PM
Regie: Ludwig Wüst (Österreich 2020)
Zwei Freunde, Martin und Anthony, treffen sich nach 15 Jahren wieder. Sie sprechen über gemeinsame Erinnerungen und ihr jetziges Leben. Während ihrer Begegnung stoßen sie auf eine traumatische Erfahrung aus Martins Kindheit.
Mit Andrew Brown, Markus Schramm, Roswitha Soukup

AUFBRUCH
Regie: Ludwig Wüst (Österreich 2018)
Zwei geschundene Seelen begegnen sich zufällig, irgendwo auf dem platten Land. Ein Mann und eine Frau, beide nicht mehr jung und beide mit einer großen Enttäuschung konfrontiert. Sie verstehen einander, auch ohne viele Worte und geben sich auf einer gemeinsamen Teilstrecke ihres Lebens gegenseitig Halt. Das Kino hat schon verschiedenste Richtungen eingeschlagen, um von Verzweiflung, Schmerz, Trauer und Einsamkeit zu erzählen. Dieser Film geht einen ganz eigenen Weg.
Mit Claudia Martini, Ludwig Wüst

DAS HAUS MEINES VATERS
Regie: Ludwig Wüst (Österreich 2013)
Andrej lebt in Frankfurt. Ein Anruf lässt ihn an den Ort seiner Kindheit zurückkehren, in das Haus seines Vaters. Mit Handkamera in einer beinahe durchgängigen Einstellung gefilmt, wird der Besuch zur Spurensuche mit ungewissem Ziel. Das Vergangene vermittelt sich über den Dialog mit einer ehemaligen Schulfreundin, vielmehr aber noch über das Dazwischen – Gesten und Gesprächspausen. Eine Übung in Unmittelbarkeit, packend unaufgeregt.
Mit Nenad Smigoc, Martina Spitzer