Dokumentarfilme im Programm der 50. Internationalen Hofer Filmtage

Dokumentarfilme im Programm der 50. Internationalen Hofer Filmtage

Auch in diesem Jubiläumsjahr zeigen die Dokumentarfilmemacher eine starke Präsenz bei den Internationalen Hofer Filmtagen. Jenseits von Globalisierungsthemen werfen die Filmemacher einen Blick ins Private oder beschäftigen sich direkt oder indirekt mit den Fragen unserer Zeit: Migration und Immigration oder Leben am Rande der Gesellschaft. Manche Filmer erforschen Abgründe unserer Gesellschaft oder begeben sich auf Reisen in die Wüste oder zu anderen Kulturen. Bemerkenswert ist in diesem Jahr auch die Fülle an Künstler- und Musikerportraits.

In A STORY OF SAHEL SOUNDS folgen Florian Kläger, Markus Milcke und Tobias Adam vom neopan kollektiv dem Blogger Christopher Kirkley und seinem Projekt „Sahel Sound“ nach Niger, das er neben dem Blog auch als Label und Plattform betreibt, um Kunst und Musik jenseits der ausgetretenen Pfade des Mainstreams zu vermitteln. Thorsten Schütte widmet sich in EAT THAT QUESTION – FRANK ZAPPA IN HIS OWN WORDS der genialen Rocklegende. Begleitet wird der Film von Zappas Tochter Moon, die ihn persönlich in Hof vorstellen wird. WE ARE X von Stephen Kijak portraitiert Japans erfolgreichste Rockband X, die im Westen kaum bekannt wurde. Aysun Bademsoy begleitet in ZYKLOP Marc Sinan nach Kasachstan, wo er Musiker und Musikerinnen besucht, und deren Lieder und Gesänge aufnimmt. Am Ende wird die Reise zu einer ganz persönlichen Begegnung mit der armenischen Vergangenheit und zu einem aufwühlenden Musiktheater über Schuld und Strafe. Eine ganz andere Rolle spielt Musik für Wolfgang Ettlch: Für fünf Neuköllner Jungs im Nachkriegswirtschaftswunderland Deutschland war die alles entscheidende Frage BIST DU BEATLES ODER STONES. Der Film erzählt aus ganz persönlichen Perspektiven von Jugend und Freundschaft in den wilden 60er Jahren.

Angela Christlieb folgt in WHATEVER HAPPENED TO GELITIN dem Künstler und Galeristen Salvatore Viviano auf seiner Suche nach den Mitgliedern der österreichischen Künstlergruppe Gelitin. Diese fiktive Recherche bildet das narrative Gerüst für den Film, der das anarchische Treiben der Gruppe aufzeigt. Corinna Belz portraitiert den bekannten Schriftsteller in ihrem Film PETER HANDKE – BIN IM WALD. KANN SEIN, DASS ICH MICH VERSPÄTE … Vor einen Vierteljahrhundert wurde das Musical „Phantom der Oper“ im Hamburger Flora-Theater von linken Autonomen und Anwohnern verhindert. Der Künstler Christoph Faulhaber inszeniert 25 Jahre später in PHANTOM OF PUNK – MACHT UND FREIHEIT das Musical neu vor der „Roten Flora“. Und Douglas Gordon zeichnet in I HAD NOWHERE TO GO nicht nur die Lebensgeschichte des Avantgarde-Künstlers Jonas Mekas nach, sie steht auch exemplarisch für die vielen Erfahrungen der Exilanten, Flüchtlinge und Immigranten im 20. Jahrhundert.

BORDERLAND BLUES von Gudrun Gruber wiederum lässt die Wüstenbewohner am geografischen Rand der USA in Arizona von ihrem Leben zwischen Migrantenströmen und einer immer weiter fortschreitenden, hochtechnisierten Grenzsicherung des Territoriums erzählen. Auch der Österreicher Michael Pfeiffenberger hat sich in die Wüste begeben. In DESERT KIDS konzentriert er sich auf das Zusammenleben von Kindern und Jugendlichen in der israelischen Wüste Negev, wo viele jüdische und arabische Siedlungen entstanden sind. Ganz anders dagegen der Film SAFARI von Ulrich Seidl, der eine schonungslose Demonstration der Großwildjägerei und des Jagdtourismus in Afrika ist. Seng Mai Kinraws Reise nach Myanmar wirft nicht nur einen intimen Blick auf ihre Familie, sondern gewährt in TO BE WITH YOU – MY FAMILY IN MYANMAR auch einen Einblick in die Seele des Landes zwischen Diktatur und dem Willen zur Modernisierung. Nach Cornwall in Großbritannien führt uns James Stier mit seinem Film LAST FISHERMAN.

Thomas Riedelsheimer begibt sich in DIE FARBE DER SEHNSUCHT auf eine Reise durch fünf Länder und begegnet Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialen Backgrounds. Alle verbindet aber die Sehnsucht nach Heimat, Anerkennung und Freiheit. Genauso auch wie die Protagonisten in Vivien Hartmanns Film SPREE HOTEL, die in dem Hotel in Bautzen leben, das in ein Flüchtlingsheim umgewandelt wurde. Als Mikrokosmos mit guten wie auch schlechten Eigenschaften erinnert das Hotel an ein lebendiges Dorf. Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn portraitieren  in GESCHICHTE EINER LIEBE – FREYA die Widerstandskämpferin Freya von Moltke und erzählen von ihrer ersten Begegnung mit ihrem späteren Mann Helmuth James von Moltke und dem Wirken im Kreisauer Kreis. Ein Briefwechsel belegt diese große Liebe der beiden, die auch nicht mit der Hinrichtung von Moltke 1945 endete.

Einblick in das Leben zukünftiger Sportlerinnen gibt Anna Koch in SCHULTERSIEG: Die Mädchen trainieren hart als Ringerinnen und durchlaufen die Höhen und Tiefen einer Ausbildung in einem Sport-Internat in Frankfurt/Oder. Sanne van den Bergh, Daniel Turi und Greg Ward portraitieren in THE KILLING$ OF TONY BLAIR den ehemaligen Premierminister Großbritanniens, zeigen auf, wie sehr sein politisches Handeln durch Eigeninteresse geprägt war. Daniel Schweizer zeigt in seinem Film TRADING PARADISE den dritten Teil einer Trilogie über die Schweizer Gesellschaft und einen Rohstoff-Giganten mit Sitz in Zug und Genf und den Kampf um Transparenz im Welthandel. Um WAFFEN geht es Arne Strackholder in seinem Film. Er zeigt den Umgang mit Waffen im Kinderspiel, im Sport oder im Nachahmen amerikanischer Elitesoldaten und stellt die Frage, welche Erfahrungen in einem bloßen Spiel gemacht werden, die andernorts zur brutalen Realität gehören.